BAUHAUS-MöBEL.DE

preisliche Entwicklung von Bauhaus-Möbeln:

Eine preisliche Entwicklung von Bauhaus-Möbeln zu skizzieren sei nicht leicht, sagt Philippe Garner, Designexperte des Auktionshauses Christie's. Nach seinen Angaben werden "sie sehr selten angeboten und sind häufig Einzelstücke". Doch Garner, der sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Designmarkt beschäftigt, weiß aus Erfahrung, dass es immer ernsthaftes Interesse an besonderen Stücken gab und auch weiterhin geben wird, weil das Bauhaus in der Designgeschichte eine so herausragende Bedeutung hatte. Laut Garner sind vor allem die Objekte, die bis zur Schließung des Bauhauses, im Juli 1933, gefertigt wurden, bei der Sammlerschaft sehr begehrt. Askan Quittenbaum hätte sicher gern höhere Preise für die Objekte seiner Auktion erzielt, doch seien Bauhaus-Möbel momentan nicht gefragt, erklärt er. "Denn im Designbereich geben vor allem die großen Inneneinrichter in New York, Paris und London die Trends und Moden an." Und da die Bauhaus-Objekte extrem selten auf den Markt kämen, geben die Dekorateure anderen Möbelstilen wie etwa dem Art déco den Vorzug.

Diese Situation auf Auktionen hat zwar Nachteile für die Preisentwicklung, aber Vorteile für Institutionen, die bei einem starken Markt keine Chance hätten, ein gutes Werk zu ersteigern. So konnten sich aufgrund der moderaten Preise jetzt einige Museen aus dem In- und Ausland Stücke in der Ketterer/Quittenbaum-Auktion für ihre Sammlungen sichern. Dass die Preise nicht rasant ansteigen, liegt auch in der Tatsache begründet, dass man sich sehr gut auskennen muss, um ein authentisches Bauhaus-Möbel zu kaufen. So kann zwar ein Experte beispielsweise schon am Durchmesser eines Metallrohres, an seiner Legierung oder am Bezug des Stoffes auf die Werkstatt, in der das Möbel gefertigt wurde, schließen. Wer aber keiner Fälschung aufsitzen und ganz auf Nummer sicher gehen will, kauft am besten einen fabrikneuen Nachbau der Bauhaus-Klassiker bei Möbelfirmen wie Vitra oder Thonet. Dass Bauhaus-Design am Markt nicht leicht absetzbar ist, liegt aber auch daran, dass die formale und farbliche Gestaltung der Objekte oft recht schwierig erscheint. Wer Bauhaus sammelt, sammelt denn nicht den schönen Schein, sondern muss sich auch begeistern können für eine spröde, philosophisch fundierte Ästhetik mit Weltverbesserungsanspruch; im Gegensatz beispielsweise zu den glatten, glänzenden Objekten des australischen Trend-Designers Marc Newson, dessen "Lockheed Lounge Chair" beispielsweise im Mai 2009 1,6 Millionen Dollar brachte.

Im Bauhaus-Segment erreichen nur die Maler solche Preise. Für exzellente Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky oder Oskar Schlemmer überschlagen sich die Preise förmlich, und nicht selten liefern sich Bieter heiße Gefechte im Saal. Für 1,8 Millionen Dollar wurde im Mai 2008 Paul Klees "Heiliger Bezirk" in New York bei Christie's zugeschlagen. Und die "Studie zu Improvisation 3" seines russischen Kollegen Kandinsky brachte im selben Auktionshaus im November 2008 über 16 Millionen Dollar. An solche Preise kommen Bauhaus-Möbel und -Objekte nicht annähernd heran. Für unterbewertet hält Askan Quittenbaum daher den Bauhaus-Markt. Denn schließlich war das Bauhaus eine der wichtigsten Avantgarde-Bewegungen im 20. Jahrhundert.

Was die Studenten und Professoren zweifelsfrei wussten und zelebrierten: "Die Haare lang bei den Jungen, die Röcke kurz bei den Mädchen. Man ging ohne Kragen und Strümpfe, was damals schockierte", erinnerte sich Tut Schlemmer, die Frau des Bauhaus-Lehrers Oskar Schlemmer.

Lebensreform und Lebensgestaltung - ist das Bauhaus vielleicht deshalb heute noch so modern?:

Das Bauhaus hat in seiner Akzeptanz immer eine Fieberkurve durchgemacht. Letztendlich war man immer gespalten, entweder dafür oder dagegen. Etwas dazwischen gab es nicht. Durch die Kritik der Postmoderne wurde das Bauhaus nicht zerdrückt, sondern nur noch populärer, was etwas rätselhaft ist. Es gibt immer wieder Zeiten, in denen man sich nach Ethik sehnt. Das scheint jetzt der Fall zu sein. Man schaut das Bauhaus dann selektiv an, die klaren Formen, die Sauberkeit, die Ordnung, das, was einem Halt gibt. Wenn man Leute nach dem Bauhaus befragt, kommen meist Antworten wie Architektur, Design, Flachdach, weißer Kubus. Das stimmt aber so vereinfacht nicht:

Oswalt:

Das liegt an der Programmatik. Die Bauhäusler waren in ihren Forderungen auch anmaßend. Vieles konnte nur punktuell umgesetzt werden. Aber es gab eine Intensität in der Suche nach Klarheit, nach Interdisziplinarität, nach Neuem, die man mit unseren heutigen Fragen gut verknüpfen kann. Dazu kommt, dass das Experiment nicht zu Ende geführt werden konnte. Da entsteht ein Fantasieraum: Was hätte das alles noch werden können? Ein utopischer Überschuss entsteht.

Gibt es stilistische Abgrenzungen des Bauhauses zu anderen Formen modernen Gestaltens?

Oswalt:

Es lässt sich wahrscheinlich nicht abgrenzen. Es gibt Innovationen, die man dem Bauhaus zuschreiben kann wie die Glasfassade, aber auch da gab es Vorläufer. Die weißen Kuben, die Freischwinger. Es ist eher die Breite des Arbeitsfeldes bis hin zur Bühnenarbeit.

Jaeggi:

Es gibt auch keinen Bauhaus-Stil. Das Bauhaus hat zu viele Phasen durchgemacht. Denken Sie an die Möbel, den Afrikanischen Stuhl und die Stahlrohrmöbel, beide von Marcel Breuer. Es gab sowohl die einfachen Schichtholz-Möbel bei Hannes Meyer als auch die Eleganz von Mies van der Rohe.

Oswalt:

Diese Vielfältigkeit werden wir auch in der Ausstellung sehen.

Seemann:

In der Weimarer Zeit beschäftigte man sich bis etwa 1923 mit Dingen, die die meisten Menschen gar nicht mit dem Bauhaus verbinden. Die Diversität des Bauhauses ist in Weimar besonders ausgeprägt. In der Ausstellung zeigen wir das Bauhaus in seiner Zeit. Wir wollen zeigen, wie es gewesen ist, nicht gleich unsere Interpretation. Was kann man an Strukturen und Entwicklungen erkennen? Was gehört authentisch zum Bauhaus? So stellen wir überrascht fest, dass der Expressionismus am frühen Bauhaus eine wichtige Rolle spielte.

Bauhaus Kultur:

Es hat auch etwas zu tun mit der politischen Instrumentalisierung im Kalten Krieg. Das Bauhaus verstand sich eher als gesellschaftliches Projekt. Es ist ein typisches Beispiel für die Verknüpfung von Kultur und Politik, in seiner eigenen Programmatik als auch in seiner Rezeptionsgeschichte. Und man kann zudem auch eine deutsche Mentalitätsgeschichte ablesen. Weshalb wir dieses gemeinsame Projekt auch in diesem deutschen Erinnerungsjahr machen. Auch steht das Bauhaus als Synonym für die Moderne, obwohl nicht alles Moderne Bauhaus ist. Trotzdem hat es ein Alleinstellungsmerkmal nicht nur als Kunstschule. Es gab keinen anderen Ort, von dem derartig heterogene Avantgarden ausgegangen sind. Es ist diese Radikalität, in der man unterschiedlichste Künstler zusammengeführt hat, vom Maler über den Theatermacher zum Architekten, darüber hinaus unterschiedlichste Stile. Und das alles findet gleichzeitig an einem Ort statt.

Hellmut Seemann:

Entscheidend scheint mir, dass im Bauhaus ethische Kategorien mit ästhetischen eine Verbindung eingehen. Aus der ästhetischen Fragestellung, was modern ist, was altmodisch, wird eine ethische. Daraus entsteht ein hochexplosives politisches Gemisch. Das hat in der Rezeptionsgeschichte sowohl nach 1933 wie auch noch nach 1945 eine wichtige Rolle gespielt.

War es eher eine ästhetische oder eine gesellschaftliche Revolution?

Oswalt:

Interessanterweise ist das alles zusammen passiert. Am Anfang stand die humanitäre Katastrophe des Ersten Weltkrieges.

Das Bauhaus war der Versuch einer Stunde null, eines Neubeginns. Man hat sich dann auf das Elementare zurückbesonnen, die Grundfarben, die Grundformen, auf eine weit zurückliegende Geschichte. Darüber hat man versucht, sich neu zu definieren. Die Bauhäusler waren Künstler, aber es gab eine Verschränkung mit gesellschaftlichen Ambitionen. Letztendlich dominierte aber der Gestaltungswille.

Das Bauhaus entstand aus der deutschen Geschichte, wurde in der Stadt der deutschen Klassik gegründet. Ist das Bauhaus ein deutsches Projekt?

Jaeggi:

Wichtig ist der internationale Aspekt. Da steht das Bauhaus allein im Vergleich zu anderen Reform-Schulen. Auf der anderen Seite ist es so deutsch, wie es nicht deutscher sein kann, aus vielen Gründen. Da war seine Verfasstheit als Schule, sein Ursprung, die Reformbewegung um die Jahrhundertwende und der Werkbund. Auf diesen Gebieten war Deutschland vor dem Krieg international vornweg. Vor allem vom Werkbund ging bereits die Vorstellung aus, in die Gesellschaft hineinzuwirken. Ohne dieses Vorbild kein Bauhaus.

Seemann:

Ein spezieller Weimarer Aspekt ist, dass über allem, was man zwischen 1880 und 1925 rekonstruierte, der riesige Schatten Friedrich Nietzsches steht. Das gilt seltsamerweise auch für das Bauhaus. Eine verwickelte Gemengelage. Ein Kopf, der das Denken am Beginn des Jahrhunderts wie kein zweiter geprägt hat, gerade auch Leute wie Harry Graf Kessler, ist auch dafür verantwortlich, auch dafür, dass das Bauhaus so ethisch aufgeladen werden konnte, wie das nach 1933 geschah. Der entscheidende Begriff ist der des Lebens. Lebensgestaltung wird als Programm angenommen. Die Kultur der Eltern machte man für den Krieg verantwortlich. Begriffe, die feindlich besetzt werden, sind zum Beispiel Historismus, Bildung. Friedlich besetzt sind Leben, Erziehung, Gestaltung.

Oswalt:

Das Bauhaus ist auch ein europäisches Projekt. Es gab Einflüsse aus Österreich, den Niederlanden, Ungarn. Ganz unterschiedliche Avantgardebewegungen haben sich im Bauhaus niedergeschlagen und interagiert. Die Bauhäusler haben sich auch so verstanden, in ihrer Arbeit das Nationale zu überwinden. Der zweite Bauhaus-Direktor, Hannes Meyer, sprach positiv von den "vaterlandslosen Gesellen". Es galt, allgemeingültige Dinge zu formulieren. Dass das Bauhaus heute eher ein Leuchtturm deutscher Kulturgeschichte ist, ist mehr Ergebnis der Rezeption in der Nachkriegszeit.

Dreimal Bauhaus - Die Verwalter des Erbes:


Drei Institutionen pflegen und verbreiten in Deutschland die Ideen des Bauhauses: die Klassik Stiftung Weimar, die Stiftung Bauhaus Dessau und das Bauhaus-Archiv Berlin. Ein Gespräch mit den Leitern der Einrichtungen

Ihre Institutionen stellen einen Großteil der Exponate für die Ausstellung. Im Interview sprechen Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, und Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus-Archivs Berlin, über historische Hintergründe als auch die Aktualität des Bauhauses. Die Fragen stellten Gabriela Walde und Stefan Seewald.

wie viele Bauhäuser gibt es?:

Das hat mehrere Aspekte. Zum einen gab es drei Direktoren. Jeder hatte andere Vorstellungen. Das Bauhaus bildete eine Art Korsett, das aber Möglichkeiten der Veränderungen zuließ. Es gab feste Bestandteile, die vielleicht eine andere Wertung bekommen haben. Es gab aber unter den einzelnen Direktoraten Kurskorrekturen, die recht stark sein konnten. Es gibt unterschiedliche Bewertungen unter den Bauhaushistorikern. Manchmal hat man den Eindruck, jeder hat sein eigenes Bauhaus. Man kann also nicht von dem Bauhaus sprechen.

Das Bauhaus ist ein Mythos. Wovon lebt dieser?

Jaeggi:

Der Mythos Bauhaus steht in ursächlichem Zusammenhang damit, dass das Bauhaus sich als Avantgarde verstanden hat und nach außen stets deklamatorisch aufgetreten ist mit Manifesten, Kundgebungen und Festen. Deshalb gibt es auch so unglaublich viel gedrucktes Material. Außerdem hat Gropius alles gesammelt und ein Archiv angelegt und damit Ausstellungen bestritten. Das Bauhaus ist darüber hinaus aber zu Recht als die bedeutendste deutsche Kunstschule anzusehen. Zum Mythos gehören die berühmten Leute, die Gropius in die Schule geholt hat.

Er wollte eine internationale Schule haben. Und dann kommt hinzu, dass das Bauhaus genauso lange existierte wie die Weimarer Republik, was man durchaus als historische Parallelität deuten kann. Durch die Konfrontation mit der NSDAP bekam das Bauhaus eine Art Opferrolle, die es nicht hatte. Dann kamen die Emigration und der Reimport des Bauhauses aus dem Ausland.

Bauhaus-Möbel sind am Kunstmarkt selten und oft nur als Einzelstücke zu finden. Sie erzielen deshalb keine hohen Preise:

Selbst vor dem Kinderzimmer machte der ungestüme Gestaltungswille der Bauhaus-Künstler nicht halt. Ein Ensemble aus einer ornamentlosen Schrankwand, roten Sitzhockern und einem kubischen Kleiderschrank, dessen Tür eine Öffnung für das Kasperltheater-Spiel hat, entwickelte Alma Siedhoff-Buscher 1923 für das Kinderzimmer im Haus Am Horn in Weimar. Vier Jahre nach der Gründung des Staatlichen Bauhauses Weimar ermutigte Direktor Walter Gropius seine Studentin, auch auf dem Feld der Lebensgestaltung von Kindern neue Wege einzuschlagen und ihre Ideen im Haus Am Horn, dem Bauhaus-Entwurfshaus, umzusetzen.

Mit Erfolg: Siedhoff-Buschers puristische Möbel entsprachen der klaren, modernen Bauhaus-Ästhetik, die Walter Gropius und seine Professoren-Kollegen Paul Klee, Wassily Kandinsky, Johannes Itten, Marcel Breuer und László Moholy-Nagy vertraten. Die Klassik Stiftung Weimar, die sich um das Bauhaus-Erbe kümmert, konnte jetzt das seltene Kinderzimmer in einer "Bauhaus-Auktion", die die Auktionshäuser Ketterer und Quittenbaum gemeinsam veranstalteten, ersteigern - für 12 000 Euro. Allerdings blieb das Kleinod damit deutlich hinter dem Schätzpreis zurück, der bei 18 000 Euro lag. Auch andere Objekte von Bauhaus-Künstlern wie Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe oder Marianne Brandt, die bei Ketterer/Quittenbaum versteigert wurden, überstiegen nur selten den angesetzten Schätzpreis. So fiel der Hammer für Ludwig Mies van der Rohes frühe Ausführung seines Stahlrohr-Sessels "MR-20" bereits bei 14 000 Euro (12 000 Euro) und für Marcel Breuers berühmten "Wassiliy"-Sessel "B3" bei 9500 Euro (10 000 Euro). Insgesamt ist Askan Quittenbaum aber mit den Ergebnissen zufrieden. Mehr könne man im Segment Design nicht mehr erwarten. Und: Immerhin habe die Auktion auch eine Verkaufsquote von mehr als 50 Prozent gehabt. Ein Blick auf die internationale Top-Ten-Liste bereits verkaufter Bauhaus-Objekte zeigt, dass angewandte Kunst der Bauhäusler nur ausnahmsweise für sechsstellige Summen verkauft wurde. So konnte das Auktionshaus Phillips de Pury ein frühes Exemplar von Mies van der Rohes Barcelona-Stuhl im Dezember 2006 für 100 800 Dollar verkaufen. Und ein halbes Jahr später erreichte Marcel Breuers Stuhl "B 25" mit Fußteil, den er zwischen 1928 und 1929 entworfen hatte, 54 000 Dollar.